Blumenbeet

Gestern noch war es eine wilde Wiese.

Heute - ein Beet.
Mit viel Liebe, viel Kraft, viel Wollen wurde es ein Blumenbeet.
Es wurde. Nicht ganz so wie ich wollte. Aber, es ist schön.
Es wurde weil ich wollte.

Langsam beginnen die Pflanzen ihre Wurzeln in der fremden Gegend zu entfalten.
Langsam, ganz langsam beginnen sie ihre Köpfe zu heben, zur Sonne zu fühlen, zur Umgebung Kontakt aufzunehmen.

Werden sie hier erblühen?
Wie viel Pflege werden sie brauchen, um sich gegen die natürlichen Pflanzen in der Gegend zu behaupten?
Werden sie hier erblühen?

Daneben - Unkraut.
Stolz und stark erhebt es seine blaublühenden Köpfe.
Es wächst, es lebt.
Es bedarf meiner nicht.
Ich brauche es vor nichts zu beschützen außer meiner Unachtsamkeit.

Warum habe ich ein Blumenbeet gemacht?

Um der Natur meine Stärke zu beweisen?

Warum bin ich selbst nicht so künstlich geblieben wie das Blumenbeet?
So viele wollten es und lange war ich es.
Ich versuchte zu erblühen so gut ich konnte.

Bin ich nun Unkraut weil ich meiner Natur freien Raum lasse?
Weil ich es jetzt doch noch geschafft habe zu erblühen? 
Nicht im Blumenbeet - aber doch in der Nähe. Dort wo meine Freiheit ist, mein Leben, meine Zukunft, meine Bestimmung.

Früher war ich schwach, verwundbar.
Heute bin ich stark, stolz auf das was ich bin, glücklich im Leben.
Ich setze mich mühelos gegen die gepflanzten Blumen durch.

Außer es steigt jemand durch Unachtsamkeit auf mich drauf.

Riccarda    23.7.2003