In Zeiten wie diesen

Vorgestern war Vollmond.
Ich stand vor dem Haus und betrachtete sie - zeitweise versteckt, zeitweise umrahmt von Wolken. Blauschwarzen und weißen Wolken.

Sie - wer sie?
Sie, die an meiner Seite stand oder sie, die da oben voll leuchtete?
Die, die an meiner Seite stand auch. Aber noch viel mehr sie, die Mond.

"Ein Schritt nur zur Ewigkeit" war die Botschaft und noch nie habe ich diese Botschaft so deutlich gespürt wie an diesem Abend. Und noch nie war die Versuchung so groß, diesen winzig kleinen Schritt zu gehen. Nach Hause zu gehen.

War es Sehnsucht? Ich glaube nicht. Eher die Spannung den nächsten Schritt in meiner Seelenwanderung zu beginnen.

Es beginnt etwas Neues hier in dieser Welt und es wird auch etwas Neues für meine Seele beginnen.

Ich bin ihn nicht gegangen, diesen Schritt. Zu viel ist hier noch zu erledigen. Zu schön die Zeit in der wir gerade eben leben. Zu viele Versprechungen für die Welt und unsere Zukunft. Zu große Neugier.

Ich gehe meinen Schritt erst ein wenig später.
Außerdem muss ich die Bäume hinten im verwachsenen Gärtchen erst von den Schlingpflanzen befreien. Das ist einfach zu wichtig.

Riccarda    12.9.2003