Heute - 20.10.06 Irgendwie vergesse
ich immer, dass ich diese Seite überhaupt im Netz habe. Seit knapp 2 Jahren habe ich mich beruflich neu ausgerichtet und betreibe eine Licht- und Tonanlagenvermietung (http://www.austropop.at) Demnächst mache
ich mit einer Damenband eine Performance zum Thema: Da ich immer
versuche, mich bestmöglich vorzubereiten, habe ich im Internet nach
Informationen geforscht und bin dabei auf folgende Textpassage gestoßen: Der komplette Text
ist auf
http://www.inanna.de/mythen.html
nachzulesen. Ich würde das auch sehr
empfehlen. Mich hat der Text sehr betroffen gemacht und ich habe ihn sicher fünf Mal gelesen.
Wie sich die Dinge gleichen... Ich stehe seit mehr als einem halben Jahr auf der Bühne und musiziere in einer fast reinen weiblichen Band - wobei sich das fast nicht auf mich bezieht... ;o) Erst vor wenigen Tagen ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich einen ähnlichen Weg wie meine Freundin beschreite. Heute - 2.10.03 Wozu schreibe ich
eigentlich Seiten mit Übertitel "Heute"? Seit Anfang Mai lebe ich Riccarda
- mit insgesamt höchsten zwei Wochen Unterbrechung. Ich fühl mich
ausgesprochen wohl in meiner Haut und möchte sie mit keiner
anderen tauschen. Ich denke nach wie vor nicht daran einen Chirurgen an
die empfindlichen Stellen zu lassen. Ich "kämpfe" mit den
kleinen Alltagsproblemchen -> siehe UFO - und kann immer noch
keine Entscheidung Mann oder Frau fällen. Obwohl's manchmal schon
mühsam ist, wenn man sich in keiner Lade zuhause fühlt. Heute - 14.04.03 Zwei Monate als Frau und die Hölle auf Erden. Seit 1. Oktober 2002 nahm ich
Hormone und ab Mitte November hatte ich einen absolut weiblichen
Hormonstatus. Meine ganze Gefühlswelt wurde "neu erschaffen"
und ich bekam eine ganz neue Sicht- und Betrachtungsweise. Mitte Jänner fand der Wechsel in meinem Leben statt. Nicht geplant, nicht beabsichtigt, einfach so. Es passierte von einem Tag auf den anderen. Ich habe einfach wie schon so oft einen Tag als Riccarda gelebt und danach nicht mehr aufgehört. Es war eine schöne, unendlich
traurige und ungemein aufregende Zeit. Aber es war eine schöne und vor allem relativ problemlose Zeit. Die Leute waren erstaunt, manchmal verunsichert und doch immer freundlich. Viele bewunderten mich. Ein Kunde sagte etwas wunderschönes: "Sie halten uns einen Spiegel vor, damit auch wir uns trauen und daran erinnern, unser eigenes Leben zu leben so wie wir sind." Leider hielt die schöne Zeit nur
sehr kurz und dann kamen Schläge aus einer Richtung, aus der ich
niemals damit gerechnet hatte. Und zum gleichen Zeitpunkt
kündigte mir auch meine Familie die Freundschaft auf. In einer für mich neuen Welt in der ich mich tagtäglich durchsetzen muss und enorm viel Kraft benötigte war plötzlich kein Rückhalt mehr. Nur zwei Freunde standen vorbehaltlos hinter mir. "Nur". Ihnen verdanke ich, dass ich diese Zeit geschafft habe und ich hoffe, ihnen das was sie für mich getan haben irgendwann wiedergeben zu können. Im Nachhinein gesehen war es die für mich lehrreichste und emotionalste Zeit meines Lebens. Ich war noch nie so "fertig" wie in diesen Wochen. Trotzdem bin ich jeden Tag aufgestanden, in meine Firma gefahren und habe mein Leben weiter gemeistert. Ich bin unglaublich stolz auf mich und auf die Kraft, die aufzubringen ich in der Lage war. Dann kam das erste Mal ein kleiner
Zweifel. Nur Sekunden lang und war danach nicht mehr spürbar. Aber ich
habe ihn nicht vergessen. Ich stellte mir die Fragen: Und überdachte folgende Punkte: Viele der Antworten konnte ich mit
einem Leben als Frau nicht 100% vereinbaren und neunzig Prozent oder
weniger war mir zu wenig, um so einen großen Schritt zu gehen. Damit war für mich die
Entscheidung gefallen, wieder in meine "alte Haut" zurück zu
schlüpfen. Ich werde meine Zeit als Frau sicher nicht vergessen und ich fand sie wunderschön. Ich werde auch weiter Riccarda leben. Aber nicht in jeder Minute meines Lebens, sondern wie auch bisher, wenn sie ihr Recht verlangt. Ich habe mit den Hormonen aufgehört und werde nicht endgültig zur Frau wechseln. Ganz einfach deshalb, weil ich es
nicht bin. Ich hoffe, jetzt endlich den richtigen Weg gefunden zu haben. Meine Freundin Daniela, die in den
letzten Monaten so stark an meiner Seite war und mir geholfen hat das zu
überleben, sagte vor wenigen Wochen zu mir: Ich habe viel gelernt, vor allem,
wer in letzter Konsequenz wirklich an meiner Seite steht. Und es war die schönste und aufregendste Zeit meines Lebens. Heute bin ich wieder da. Noch nicht mit ganzer Kraft, aber fast. Auch deshalb nicht mit ganzer Kraft, da ich wegen der Erlebnisse unendlich viel mehr schaffe als vorher. Ich kann nur allen
Gleichfühlenden den Tipp geben, alles bis in letzter Konsequenz
durchzudenken und zu fühlen. Zu oft habe ich gesehen, dass für
viele nur das Ziel wichtig war und sie sich nicht die alles
entscheidenden Fragen gestellt haben. Und von diesen wurde keine
wirklich glücklich.
|