Hi!


Ich gestehe am Beginn meiner Antwort erst einmal nicht zu wissen wie ich die Lebenssituation eines Freundes aufnehmen soll, wie
ich darüber denke oder wie ich darauf reagiere. Wer stellt sich schon rechtzeitig darauf ein und macht sich Gedanken....? So mach'
ich mir halt die Gedanken während ich schreibe. Vielleicht wird's ein bisschen konfus.....! Und das mir einem Realist durch und
durch......!

Die Hermi hat mir zwar vor ca. einem Jahr was erzählt, aber so richtig ernst genommen hab' ich's nicht. War mein Fehler. Jetzt fällt
mir auf, dass wir uns tatsächlich nur mehr mit uns selbst beschäftigen und für andere in unserem Leben und unseren Gedanken
kaum Platz bleibt....! Eigentlich scheiße!!!!! Du warst in den letzten Jahren ziemlich weit weg. Auch scheiße! So ist man dann halt
von der Entwicklung einer Persönlichkeit, die man einmal gut gekannt hat, überrascht...... und man beginnt nachzudenken.
Nachzudenken wie Du selbst diese Entwicklung erlebt hast. War's ein Kampf....? Hat er sich treiben lassen....? Wie hat seine
Umgebung reagiert.....? Wie seine Eltern.....? Wie er selber....? Hat er sich gewehrt....? Hat er/sie es aktiv unterstützt.....? Wann
hat er/sie es eigentlich selbst erkannt....? Wie ist es ihr/ihm dabei gegangen....? Hatte sie/er genug Freunde, die sie/ihn
akzeptierten so wie sie/er eben ist....? Wäre ich ein solcher Freund gewesen....? Warum hab' ich das nicht registriert....? Viele, viele
Fragen.............. die aber tatsächlich nur Dich was angehen und die Du offensichtlich gemeistert hast. Das ist etwas, was für mich
unverstellbar scheint. Das geht total über meinen Horizont hinaus. Das hätt’ ich nie geschafft! Deshalb gebührt Dir (obwohl ich es
nicht verstehe) meine grosse Hochachtung und Bewunderung. Das ich es nicht verstehe, heißt aber nicht, dass ich es nicht
akzeptieren kann. Das ist ein leichtes für mich. Ein Funken Toleranz genügt um (an)zuerkennen, dass es nur Dich was angeht.

Fest steht, dass Du (und nur Du) selbst das recht hast Dein Leben zu gestalten und den Weg suchst wie Du zu Deinem
persönlichen Glück findest. Was alle rundherum denken ist in Wirklichkeit wurscht! Dein eigenes Ich ist das was zählt. Und ich hoffe
und wünsche, dass Du Riccarda jetzt Dein persönliches Ich gefunden hast. Denn ich mutmaße, dass es Dich jahrelang innerlich
zerrissen hat. Ich wünsche Dir, dass das ein Ende hat und Du sein kannst wer Du wirklich bist und sein willst. Ich entnehme Deinen
Zeilen, dass Du Dich entschieden hast. 

 

ZIEH’S JETZT DURCH! SCHEISS AUF ALLE! MACH’S EINFACH!

 

Eine Nichte von mir hat’s durchgezogen. Er ist jetzt ein Gerhard und hat eine ganz, ganz liebe Frau geheiratet. Und sie (pardon, „er“)
ist auf dem Land aufgewachsen. Du kannst Dir vorstellen, wie sich die Leute im Dorf das Maul zerrissen haben. Aber was „sie“ getan
hat war das beste führ „ihn“. Jahrelang von epileptischen Anfällen gequält, bis sie erkannt hat, dass er in einem falschen Körper zu
Hause ist. Für mich als „Normalen“ (was ist eigentlich normal....?) unvorstellbar. Das geht in keinen Schädel....! Aber die Natur hat
sich wohl geirrt, oder war bei der Zeugung „unentschlossen“. So muss man die Angelegenheit halt selber in die Hand nehmen und zu
Ende führen, was Mutter Natur „verbockt“ hat, es sozusagen wieder „g’radebiegen“.

Ich wünsch’ Dir auf jeden Fall das Allerbeste für Dein Leben. GLÜCKLICH sollst Du sein!

Liebe Grüße von Hermi und mir.
16.11.02


Hallo Ihr, 

es hat mir bei Eurer Antwort fast ein wenig die Tränen in die Augen getrieben. 
Ich weiß nicht, ob ich vielen Dank sagen soll, denn eigentlich ist es eine Entschidung - eine sehr schwere -, die nur mit mir zu tun hat. 
Aber jedenfalls danke sagen kann ich für die Worte die Ihr gefunden habt. 

Es hat mich viele Jahre zerrissen, schon zu der Zeit, als wir allerdickste Freunde waren. Ich habe bloß nicht gewagt, irgendjemand
davon zu erzählen. 

Ich kanns Euch ja mal erzählen, wenn Ihr Lust habt. 
Ein paar Monate muss es leider noch dauern, bis ich leben kann, was ich bin, aber die Zeit ist absehbar und das erfüllt mich mit
unglaublich viel Freude. 
Und worüber ich mich auch so freue, sind die Freunde die zu mir stehen. Nicht einen habe ich verloren! 

Liebe Grüße 
Riccarda