Sabine - die Zeit der Wandlung

Sabine - August 1998 - die Geburtswochen? Es ist nicht mehr genau nachvollziehbar, wann Sabine Julia abgelöst hat. 

In diesem Monat jedoch war sicher Sabine am Werk, als ich mir einbildete, eine Fete für Transgender veranstalten zu müssen. Ich habe von einer Bekannten den Tipp bekommen, mich mit dem Nachtboten in Verbindung zu setzen, um die Veranstaltung bekannt zu machen. Dort habe ich Anita kennengelernt und sie hat mir Chris und viele andere Transgender vorgestellt.

Das war der Einstieg in die "Szene" und diese und vor allem TransX haben mir sehr geholfen.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen die mir damals geholfen haben ganz herzlich bedanken mit den - wie ich jetzt weiß - eingebildeten Problemen fertig zu werden. Sie haben mir geholfen, die Selbstsicherheit zu finden, um mich als Frau auf die Straße zu wagen.

Ich kann nur jedem der einen ähnlichen Weg geht ans Herz legen, sich mit TransX z.B. über www.transgender.at in Verbindung zu setzen.

Transgender.at war ursprünglich mein Werk. Es ist aus meiner privaten Website entstanden und ich habe auf dieser Seite das Wissen aus der Welt im Internet  zusammengetragen. 5 Jahre lang wuchs sie Monat um Monat und sie wurde die wichtige Plattform, die sie auch heute noch ist.  Im Frühjahr 2001 konnte ich die Verantwortung an Maria übertragen. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie diese Mühe und Riesenarbeit auf sich nimmt.

Viele Highlights gab es in den Jahren bis 2001.
Ich kann mich noch gut an die Geburtstagsparty von Heide Schmidt, der Parteivorsitzenden des LiF erinnern. Das Herz schlug mir damals bis zum Hals. Hunderte Menschen in Abendgarderobe und wir paar Transgender mitten drinnen.
Oder kurze Zeit später die Wahlkampfauftaktsparty des LiF oder das Gespräch mit der damaligen Frauenministerien.

Es war wirklich eine spannende und vor allem aufregende Zeit. Ich war auf den eigenartigsten Veranstaltungen, Swingerpartys, SM-Feten ohne mich dort wirklich wohl zu fühlen.
Mir ging es darum, als Frau auftreten zu können und dachte mir damals, dass es in diesem Umfeld am Einfachsten zu realisieren ist. Die Leute die ich dort kennenlernte waren wirklich alle sehr offen und ich hatte viele sehr nette Gespräche, aber ich gehörte dort nicht hin.

Mittlerweile habe ich die gleichen netten Gespräche auch im normalen Leben und bin niemals auf Ablehnung gestoßen.

Am meisten Schwierigkeiten gab und gibt es immer noch in der Familie. Natürlich ist es für eine Mutter hart, wenn ihr Sohn eine Tochter wird und wenn die Schwester ihren Bruder verliert und eine Schwester bekommt.

Mittlerweile sage ich aber, dass das nicht mein Problem ist. Ich will nicht mehr länger warten oder noch irgendetwas abwarten.

Und so erdulde ich meine Schmerzen bei der Bartbehandlung und freue mich darauf, dass ich danach vielleicht 5 Barthaare weniger habe.  ;o)

Ich besuche brav meinen Psychologen, mache meine Untersuchungen - zumindestens fange ich in zwei Wochen damit an, Termin habe ich schon - und schlucke Hormone.

Das allerdings sehr vorsichtig und immer in Mindestdosierung. Langsam beginnen sich auch die Veränderungen einzustellen. Es beschleunigt der 10x tägliche Blick in den Spiegel die Sache übrigens nicht wirklich.

Ein Jahr noch, vielleicht auch zwei und dann!?
Ob es eine Operation geben wird, weiß ich nicht. Sie ist mir nicht wichtig. Möglicherweise ändert sich meine Einstellung bis dahin noch. Sex ist für mich das Unwichtigste an der Verwandlung. Viel wichtiger ist die veränderte Gefühlswelt. Ich empfinde mein ganzes Leben anders und vor allem intensiver.
Ich könnte ohne meine Frau nicht mehr, aber ich werde auch meinen männlichen Teil ganz tief in meinem Herzen voller Liebe weiter bei mir tragen.

Übrigens:
Ich bin nicht im falschen Körper geboren, es ist nur der falsche um irgendwann darin zu sterben.

Danke für Dein Interesse


15.November 2002